„Soziale Medien dürfen keine Einbahnstraße sein“

Nikolaus Koller, Institutsleiter für Journalismus & Medienmanagement an der FH Wien, erklärt die Wichtigkeit der bidirektionalen Kommunikation in sozialen Medien. Außerdem sprechen wir mit ihm über die Gefahr von Falschmeldungen im Medizinjournalismus und die Regeln des Bloggens.

An der Fachhochschule Wien der WKW leitet Nikolaus Koller seit 2013 das Institut für Journalismus & Medienmanagement. Seine redaktionelle Erfahrung als Ressortchef bei der Tageszeitung „Die Presse“ sowie insbesondere im Bereich der neuen Medien gibt er nun schon seit vielen Jahren an StudentInnen der Hochschule weiter. Auch das Marvellous Med Tech Team hat im Interview wertvolle Tipps rund ums Bloggen bekommen.

Guten Tag, Herr Koller. Gibt es Blogs, die Sie selbst häufig nutzen und empfehlen können?
Nikolaus Koller:
 Ich habe keine Blogs, denen ich folge. Es gibt aber eine Vielzahl von AutorInnen, BloggerInnen und auch Personen auf YouTube, die ich immer wieder lese oder ansehe. Aufmerksam werde ich meist – wie so viele andere – durch Hinweise in sozialen Medien oder durch Empfehlungen.

In welcher Regelmäßigkeit sollte ein guter Blog mit Beiträgen gefüllt werden? Ist auch dort weniger oft mehr?
Nikolaus Koller: Das Wichtigste ist, dass etwas regelmäßig erscheint (lacht). Im Ernst: Es gibt keine genaue Regel, wie oft ein neuer Blog-Beitrag erscheinen sollte. Wichtig ist, dass man etwas zu sagen hat – nur dann sollte man etwas publizieren. Aber natürlich ist eine gewisse Regelmäßigkeit Voraussetzung dafür, eine Marke und LeserInnenschaft aufzubauen. Ein Redaktionsplan kann dabei helfen, sich an Erscheinungstage besser zu halten.

Nimmt das Du einem Blog die Professionalität oder schafft es im Gegenteil sogar Nähe zum Leser?
Nikolaus Koller: 
In den Sozialen Medien ist Du durchaus üblich. Umgekehrt würde es bei jungen AutorInnen, die sich an eine junge Zielgruppe wenden, komisch wirken, wenn diese sich gegenseitig Siezen.

Die Vorschriften beim Bloggen sind vergleichsweise gering. Wie aber wird in einem Blog nun eigentlich richtig zitiert?
Nikolaus Koller: Wie schon gesagt: Es gibt keine Regel. Ich würde erstens immer Quellen angeben, auf die man sich bezieht und zweitens eine Zitation handwerklich einfach mit einer Verlinkung lösen.

Reichweite und Klicks spielen beim Bloggen eine wichtige Rolle. Ist das Teilen auf anderen Plattformen wirklich die beste Möglichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen?
Nikolaus Koller:
 Ja, soziale Medien sollten sicherlich mit bedacht werden. Wichtig ist aber, dass diese keine Einbahnstraße sind. Nur einen Beitrag hinaus zu posaunen und sonst nicht aktiv zu sein, zu interagieren – das ist zu wenig. Es ist also wichtig, in die Diskussion zu treten, Feedback einzubringen und sich auch bei anderen Diskussionen im Themenbereich einzuschalten.

Was sagt es über uns als Gesellschaft aus, dass es so viele Lifestyle-Blogs gibt und diese sich oftmals größerer Beliebtheit erfreuen als wissenschaftliche Seiten? Werden wir einfach lieber unterhalten oder eignet sich das Medium „Blog“ generell besser für solche Themen?
Nikolaus Koller: 
Ja, Menschen werden wohl lieber unterhalten (lacht). Aber man kann auch wissenschaftliche Inhalte unterhaltsam darbringen. Nur weil man sich mit eher schwereren Inhalten beschäftigt, muss die Darstellung ja nicht auch todernst sein.

Gerade Medizin und Gesundheit behandeln häufig auch sensible Themen. Ist die Gefahr von Fehlinformationen aufgrund der Tragweite ihrer Konsequenzen dort also möglicherweise noch höher als in anderen Bereichen?
Nikolaus Koller: Ja, das ist ein sehr wichtiges Thema, das ihr ansprecht. Wenn hier etwas falsch erzählt oder beschrieben wird, verliert man sehr schnell Vertrauen. Insofern ist Fakten-Check sehr wichtig.

Ist für eine berufliche Tätigkeit im Fachjournalismus eine publizistische Ausbildung immer unabdingbar oder ist die entsprechende Fachkenntnis häufig sogar wichtiger?
Nikolaus Koller: Ich erlebe, dass für Fachredaktionen immer mehr Personen mit technischen oder medizinischen Fachkenntnissen gesucht werden, die journalistische Erfahrungen haben. Diese Kombination ist sehr wertvoll. Eine gute Kombination ist beispielsweise ein technischer Bachelor mit einem Journalismus-Master.

Susanne Schranner