ARTIFICIAL PANCREAS – Zukunft der Typ I Diabetes-Behandlung?

Diabetes ist eine weit verbreitete Krankheit, deren Behandlung viel Einsatz und Disziplin der betroffenen Personen und möglicherweise ihrer Verwandten erfordert. Durch künstliche Bauchspeicheldrüsen (Artificial Pancreas) soll der Aufwand von Typ I Diabetes Behandlungen reduziert werden, was den Komfort erhöht die Regelmäßigkeit der Insulininjektionen – und auch das Monitoring des Blutzuckerspiegels sicherstellt. Ende 2016 erhielt diese Technologie, durch die Genehmigung der FDA, einen massiven Boost. Man darf also gespannt sein wann die künstliche Bauchspeicheldrüse den Markt erobert.

Diabetes ist auf dem Vormarsch. Im Jahr 2014 waren weltweit ungefähr 422 Millionen Erwachsene an Diabetes erkrankt. Diese unglaubliche Zahl entsprach zu dieser Zeit 8,5% der Weltbevölkerung. Im Vergleich dazu betrug der Anteil der Betroffenen im Jahr 1980 „lediglich“ 4,7%. Dieser rasante Anstieg liegt zum einen an den verbesserten Diagnosemethoden, zum anderen jedoch an den veränderten Lebensgewohnheiten und dem teils sorglosen Umgang mit diesem Thema. Dabei sollten wir Diabetes nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn allein im Jahr 2012 starben 1,5 Millionen an den Folgen von Diabetes und weitere 2,2 Millionen an von Diabetes begünstigten Krankheiten. Besonders schockierend ist, dass die betroffene Person in 43% der Fälle das 70 Lebensjahr nicht erreichte. Diese Zahlen lassen sich auch ziemlich gut auf die österreichische Bevölkerung herunter brechen.

Immer mehr Länder verschreiben sich der Prävention von Diabetes

Auf Prävention zu setzen ist ein lobenswerter und, bei richtiger Ausführung, vielversprechender Ansatz, denn obwohl keine genauen Zahlen bekannt sind, wird angenommen, dass ca. 90% der Erwachsenen DiabetikerInnen an Typ II Diabetes leiden. Zwar ist es ein Streitpunkt ob Übergewicht und mangelnde sportliche Betätigung primärer Auslöser von Typ II Diabetes sind, jedoch kann das Fortschreiten der Krankheit, durch die Minimierung dieser beiden Risikofaktoren, eingedämmt werden.

Da bei Diabetes Typ I meist ein Gendefekt Auslöser für die Krankheit ist, gibt es nach derzeitigem Stand keine wirksamen Präventionsmaßnahmen. Der Vorteil dieses Typs ist, dass die Symptome (ständiger Harndrang, Müdigkeit, konstanter Hunger und Durst, Gewichtsverlust und Ermüdung), im Gegensatz zu Typ II, meist sehr auffällig in Erscheinung treten. Daher kann die Krankheit rasch erkannt – und die Behandlung möglichst früh begonnen werden.

Einflüsse auf die Einnahmedisziplin – was bremst die Motivation zur Medikation?

Das Monitoring des Blutzuckerspiegels und die Einnahme der Medikamente bzw. die Insulin-Injektionen sind essentiell für die Behandlung von Diabetes. Trotz der geringen Anzahl an Untersuchungen zur Einnahmedisziplin werden immer wieder dieselben Argumente für das Aussetzen der Medikation genannt. Die häufigsten Gründe dafür sind: Angst vor Nekrosen durch die Injektion, Angst vor Hypoglykämie, der Zeitaufwand und einer fehlende Anleitung für Injektionen.

Mehr Komfort und Sicherheit durch technische Hilfsmittel

Um die eben genannten Faktoren zu minimieren werden immer wieder technische Hilfsmittel erfunden, weiters steigern jene technischen Hilfsmittel den Komfort der Injektionen. Nach dem Sprung von der Spritze zu Injektionspens geht der Trend nun zu einer automatisierten Abgabe von Insulin. Hinter diesen, künstliche Bauchspeicheldrüse genannten, Systemen verbirgt sich ein Regelkreis, welcher das Monitoring des Blutzuckerspiegels übernimmt und die richtigen Dosen Insulin an den Körper abgibt.

Bildquelle: http://www.diabetes-online.de/a/kuenstliche-bauchspeicheldruese-rueckt-in-greifbare-naehe-1779111

Im Grunde ist das Wirkprinzip immer gleich, ein Sensor misst den Blutzuckergehalt in regelmäßigen Abständen und sendet den ermittelten Wert an ein Steuergerät in welchem der Messwert verarbeitet wird. Beeinflusst von der Verarbeitung des Messwerts und den individuell eingestellten Grenzwerten wird dem Körper, über eine Insulinpumpe, die richtige Dosis an Insulin zugeführt. Unterschiede zwischen den Systemen gibt es bei der Umsetzung. So gibt es zum einen Systeme, die aus zwei Komponenten (dem Sensor und dem Steuergerät mitsamt Insulinpumpe) bestehen, zum anderen gibt es Systeme welche ein extra Gerät (wie zum Beispiel ein Tablet oder ein Smartphone) zur Datenauswertung benutzen. So einfach dies auch klingt, liegt ein besonderes Augenmerk auf der Ausfallsicherheit dieser Systeme.

Genehmigung durch die FDA – ein Meilenstein

Mit dem MiniMed 670g von Medtronic wurde Ende September 2016 das erste System dieser Art von der FDA für den amerikanischen Markt zugelassen. Der Verkaufsstart ist für Frühling 2017 vorgesehen. Auf jeden Fall ist die Zulassung eines Regelsystems dieser Art ein Meilenstein und man darf auf weitere spannende Innovationen hoffen.

 

http://www.who.int/diabetes/global-report/en/

https://www.gesundheit.gv.at/aktuelles/archiv-2013/welt-diabetestag-2013

https://www.medtronicdiabetes.com/blog/fda-approves-minimed-670g-system-worlds-first-hybrid-closed-loop-system/

 

 

Patrick Fuchs