Aufgerüstet für die Piste – Trend oder Schutz ?!

Schaut man sich in diesen Tagen etwas auf der Piste um, so ist der Anblick von Skihelmen schon längst keine Besonderheit mehr. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die beliebteste Wintersportart der Deutschen und Österreicher ein verhältnismäßig hohes Verletzungsrisiko birgt. Darüber hinaus lässt die Sportindustrie nicht locker und preist Breitensportlern auch Rücken- und sogar Arm- und Beinprotektoren an. Inwieweit die neuesten Schutztechnologien Sinn machen, wird auch im Profisport noch getestet.

Während sich der Skihelm als einfache und effektive Schutzmöglichkeit des Kopfes inzwischen durchgesetzt hat und in einigen Ländern sogar schon Pflicht ist, müssen Rückenprotektoren noch in Abhängigkeit des Einsatzgebietes getestet werden. Diese entfalten ihre volle Wirkung nur bei direkter Krafteinwirkung auf den Rücken. Dann können eingearbeitete Kunststoffpolster laut CE-Norm einen Teil der Energie abfangen. Allerdings werden Bewegungen wie das Beugen nach vorne, Verdrehungen oder Überstrecken der Wirbelsäule nur gering durch einen Rückenprotektor beeinflusst. Schlecht, wenn man bedenkt, dass diese Bewegungen die gefährlichsten Verletzungsmechanismen darstellen.

Für die Profis im Bereich Skirennsport wurde 2014 der Weltöffentlichkeit eine neue Technologie vorgestellt: Der Airbag für Skirennfahrer. Bisher bereits im Motorradrennsport etabliert, sollen er nun auch für den Abfahrer praktikabel sein. Sobald ein Rennläufer die Kontrolle verliert, werden innerhalb von 100 Millisekunden, mit Hilfe einer Kaltgasflasche, Luftpolster um Nacken, Brust und Hals aufgeblasen. Also nicht erst, wenn der Sportler schon auf dem Boden aufschlägt. Dafür wurden aus über 200 Abfahrten Daten gesammelt und Algorithmen berechnet, um den Grat zwischen einer kontrollierten Situation und einem bevorstehenden Sturz sofort zu erkennen. Mit Hilfe des Airbags sollen somit zwischen 60-85% der auf Brust und Rücken einwirkenden Kräfte während eines Sturzes absorbiert werden.

Es hat nicht lange gedauert, bis auch diese Technologie kritisch hinterfragt wurde: Im Dezember 2015 stürzte Matthias Mayer beim berühmten Abfahrtsklassiker in Gröden; eine Bodenwelle hebelte den erfahrenen Skirennkäufer aus, der direkt mit dem Rücken auf der vereisten Piste landete. Das neu entwickelte Airbagsystem hatte seine Premiere in der Öffentlichkeit des Weltcupzirkus und löste aus. Matthias Mayer brach sich zwei Brustwirbel, doch er war froh, als einer der Wenigen den Airbag getragen zu haben: „Es hätte viel schlimmer sein können. Zum Glück habe ich den Airbag angehabt, er ist in der Luft aufgegangen“. Nochmal alles gut gegangen, könnte man meinen, trotzdem waren und sind ein paar der Sportler verärgert und kritisieren die neue Technologie. Sie lassen sich auch nicht durch die Frage „Was wäre noch viel Schlimmeres passiert – ohne Airbag“ überzeugen?

Eine 100% Verletzungsprävention ist auch mit dieser Technik noch nicht gegeben, aber Entwickler, Wissenschaftler und Verantwortliche sind sich einig: Sie sind auf dem richtigen Weg. Das Ziel ist es, die Technologie zukünftig so zu erweitern, dass auch die häufigsten Verletzungen im Skirennsport, die Knieverletzungen, minimiert werden können.

Wie das ganze bisher aussieht, könnt ihr euch hier anschauen:

 

Vroni Auer